Ich setze meinen Exkurs zum Thema Allversöhnung fort. Es geht um die Erzählung vom Weltgericht aus Matthäus 25. Eigentlich ist die Botschaft ganz einfach: Es gibt eine weitere Gruppe von Menschen, die den Leerstand der Hölle sehr vergrößert, nämlich alle, die an ihren Mitmenschen barmherzig handeln. So einfach, wie es klingt, ist es bei näherem Hinsehen allerdings nicht. Wer sich mit dem Text genauer beschäftigt, stößt auf bestimmte Fragen oder Einwände. (1) Wer sind die geringsten Brüder (und Schwestern) Jesu? Wem muss einer Gutes getan haben, um in den Himmel zu kommen? Sind tatsächlich alle Armen dieser Welt gemeint? (2) Wäre es nicht Werkgerechtigkeit, wenn jemand aufgrund seiner guten Taten in den Himmel kommt? Wer das reformatorische „Allein durch den Glauben“ verinnerlicht hat, dem macht dieser Gedanke Bauchschmerzen. (3) Muss diese Erzählung als reale Beschreibung eines Weltgerichts mit doppeltem Ausgang verstanden werden? Kann man die Menschheit wirklich in Barmherzige und Unbarmherzige aufteilen? Handeln wir nicht manchmal barmherzig und manchmal nicht? Ist hier vielleicht mit Gericht etwas ganz anderes gemeint? (4) Gibt es im Matthäusevangelium eine Gruppe von Menschen, die besonders höllengefährdet ist? In dieser Folge spreche ich über die beiden ersten dieser Fragen.
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